Archive for Oktober, 2009
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Am 24.10.2009 traf ich mich mit Dave beim guten alten Fips, der noch am Sachen packen war. Als er das erledigt hatte, verstauten wir unsere Rucksäcke im Auto und fuhren zum Parkplatz an der Dürrkamnitz. Der starke Nebel ließ keine Sonne durch, aber es wurde auf dem Weg zum Gipfel schnell warm. Nach kurzem Lauf durch den schönen Böhmerwald, immer Richtung Grenzturm, kamen wir rasch an unserem Ziel an, dem Turm am Schacht. Die viel zu schweren Rucksäcke fielen schnell vom Rücken auf den noch regennassen Waldboden. Nach kurzem durchatmen kam auch Fips an, der wie immer sehr interessiert in der Gegend rum schaut und dadurch schnell mal abdriftet. Schnell wurde der neue Gipfel umschwärmt und jede Seite auf Herz und Nieren geprüft. Albi erklärte mir in einer Mail genauestens wo noch eine lohnende Möglichkeit einer Erstbegehung am Gipfel frei wäre. Diese war schnell gefunden und auch für gut befunden. Jetzt kletterten wir erst mal auf diesen Turm, um im Buch nachzulesen ob der Riss im Tal noch frei ist. Der Gipfel wurde von Moppi erschlossen, wie wir schnell feststellten und zu unserem Erstaunen lag das Gipfelbuch erst seit kurzem aus. Es waren erst drei Seiten beschrieben und der Weg den wir vor hatten noch nicht geklettert. Rasch fanden wir uns an den Rucksäcken auf sicherem Waldboden wieder. Ein kurzer Angstschauer erfasste mich, als ich so manches Problem, welches mich erwarten könnte, in meinem Kopf vorspielte. Diese Angst zwang mich noch einmal zum anschauen des Weges. Das Fachsimpeln mit Fips am Einstieg war wie immer sehr erregend und schnell war die Angst wie weg geblasen. Nach genauerem schauen erkannten wir im oberen Teil eine recht gute Schlingenmöglichkeit, einen Kinderkopf. Da traf eine Frau bei uns an, die ich vom sehen her als Frau von Matze enttarnte. Im Schlepptau Riss-Jörg und ihren Mann Matze. Jetzt war alles klar zum klettern. Der Gurt und die Schlingen waren schnell angelegt. Nun am Einstieg stehend, die Schuhe schließend, begonnen die ersten Klettermeter. Die Hände umschlossen eine solide, scharfe Hangel. An dieser erreichte ich besser als gedacht eine Erweiterung, wo sich tief im Rissinneren zwei kleinere Blöcke verklemmt hatten. Der obere Block erschien mir, da ja noch keine Schlinge lag, als geeignet zum legen einer moralischen Unterstützung. Der Riss machte Platz für meine linke Hälfte und da kam auch die Schwierigkeit, ein Aufschwung. Ich versuchte mich aus dem sich wieder verengenden Riss raus zu schieben. Doch leider gelang mir das nicht und kletternd ging es nach unten zum Einstieg zurück. Jetzt war der Riss-Spezialist Jörg an der Reihe. Riss-Jörg war schnell an der Stelle meines Scheiterns angekommen. Er machte aber nicht den Fehler, sich in dem Riss zu verklemmen und so gelang es ihm die Schlingenstelle zu erreichen. Er legte in einer nicht sehr schönen Beinstellung und leicht zitternd die so notwendige, wie er sie nannte, Schlange. Diese Schlange ringelte sich in den Riss hinein und lag äußerst stabil. Nun war der Rest des Weges für ihn kein Problem mehr und schnell erreichte er den Ausstiegskamin. Alle kamen ohne größere Probleme hinterher und bedankten sich bei Jörg, mit einem Berg Heil, für diese schöne Klettertour.
Im Sommer 2007 entstand bei einer Klettertour im Kummer-gebirge die Idee, den Quargelstein zu seinem 100-jährigen Jubiläum einen Besuch abzustatten, komme was wolle. Die Zeit verging und dieser Tag rückte näher und näher. Noch im Mai 2009 waren wir, wie jedes Jahr um diese Zeit, in Tschechien unterwegs. Unsere Kletterlust führte uns erneut zu dem bedeutendsten Gipfel des Gebietes, dem wunderschönen Quargelstein. Die Pläne wurden immer präziser. Boofen am Vorabend, Wache haltend am Einstieg und wartend auf den neuen Tag, um mit Stirnlampen bewaffnet den Gipfel vor allen anderen zu erklimmen. Es waren aber noch ganze fünf Monate Zeit bis zu diesem einmaligen Erlebnis und unsere Vorfreude wuchs.
Doch viele unvorhersehbare, schöne und erfreuliche aber auch traurige Ereignisse sollten unsere Pläne beeinflussen…
Durch den Kontakt zu anderen Kletterkameraden erfuhren wir, dass wir nicht alleine mit diesem Vorhaben waren. Wie so oft bei lange zuvor geplanten Touren, ist das Wetter die unsicherste Komponente. Eigentlich untypisch für diese Jahreszeit, setzte drei Tage zuvor plötzlicher Schneefall ein. Eine Änderung war nicht abzusehen und unser Plan schien zu zerplatzen. Statt am Einstieg des Quargelsteins zu boofen, trafen wir uns bei mir. Uta und Mario berichteten von ihren Urlaubserlebnissen in Österreich und das steirische Radler schmeckte auch ganz gut. Trotz dass der Schnee sich seit dem Morgen zu einem Dauerregen verwandelte und keiner mehr an das Vorhaben Quargelstein glaubte, änderte sich die Lage nach einer E-Mail plötzlich doch noch. Andere Bergfreunde teilten uns darin mit, dass die Jubiläumsbesteigung auf jeden Fall stattfinden wird. Schnell waren Zeit und Treffpunkt ausgemacht und nach nur wenigen Stunden Schlaf ging es auch schon los…
Wir trafen uns noch vor Sonnenaufgang in Bad Schandau und fuhren mit Denise, die gerade von der Nachtschicht kam, Richtung Kummergebirge. Auf dem Parkplatz angekommen, standen schon zwei Autos da. Unsere Bergfreunde waren, wie in der E-Mail angekündigt, bereits vor Ort. Wir machten uns wetterfest und liefen zum Gipfel. Vom Weg aus sahen wir nach ca. zehn Minuten endlich den Quargelstein in seiner imposanten Gestalt. Aber nicht nur diesen, auch drei Kletterer waren bereits auf dem Gipfel zu erkennen. Mario rief instinktiv hinauf: “Wartet ihr auf uns?” und seine Frage wurde mit einem deutlichen “Ja!” beantwortet. Zügig erreichten wir den Einstieg, wo wir Albi gerade zum Ring klettern sahen. Wir hatten gerade genug Zeit um unsere Klettersachen anzuziehen, da viel auch schon das Seilende vom Gipfel zu uns herrunter. Rasch erstiegen wir den Fels. Bevor die letzten beiden Kletterer ihr Ziel erreichten, schallte ein “Ahoi” durch die Wälder des Kummergebirges. Karel war am Horizont zu erkennen und nahm einen kernigen Laufschritt ein. Dave war der letzte in unserer Seilschaft und wollte gerade mit dem Aufstieg beginnen, als ihm Karel noch sein Seil an den Gurt band. Wir staunten nicht schlecht, als dieser alte Herr mit gebundenem Seil um die Brust den Gipfel erreichte.
Nach einem “Berg Heil” und dem Jubiläums-Eintrag ins Gipfelbuch, informierte Albi uns noch über die geschichtlichen Hintergründe zu den Erstbesteigern und deren Kletterclub. Die Freude war groß, nach 100 Jahren die ersten zu sein, die den Gipfel über den “Alten Weg” bestiegen haben. Am 17.10.1909 wurde der Quargelstein allerdings noch ohne künstliche Tritte und Ring erklommen und war somit um einiges schwerer einzustufen. Nachdem alle wieder abgeseilt waren, gab es zum Aufwärmen reichlich Glühwein. Während sich noch einige angeregt unterhielten und andere der Hangsicherung widmeten, traf der tschechische Chefredakteur der CAO-News ein. Ein Gruppenfoto wurde aufgenommen und wer weiß, vielleicht ist es bald in den neuesten Nachrichten dieser Online-Zeitung zu finden. Wir lassen uns überraschen und freuen uns auf die nächsten Erlebnisse.